Workshop 6

Medien, Sucht und Selbstgefährdung „no risk – no fun, von der Lust am Exzess“

Gesetzliche Regelungen zum Wohle junger Menschen setzen einen wichtigen Rahmen, der den Schutz von Kindern und Jugendlichen garantieren soll. Sobald aber neue Lecks im System Jugendschutz vermutet werden, greift man auf Gesetzesnachbesserungen zurück – meist aus Angst vor zu vermutenden Gefährdungslagen. Einzelne drastisch beschriebene Fallgeschichten reichen dabei schon aus, um neue politische Kampagnen zu starten oder mit härteren strafrechtlichen Maßnahmen nachzubessern.

Dramatisierungsgewinne und gefühlte Ängste dominieren dabei den politischen Diskurs, obschon Faktenbasis und Problemwahrnehmung auf tönernen Füßen stehen. Kriminalität, Exzess, Gewalt, Pornografie oder Verwahrlosung sind Schlagworte, die in den Kontext  zunehmender jugendlicher Delinquenz gestellt werden und öffentliche Besorgnis auslösen. Dabei gerät zunehmend die Interaktion in digitalen Medien ins Kreuzfeuer der Kritik. Im aktuellen Jugendmedienschutz-Diskurs stehen etwa Schlagworte wie Sexting oder Cybermobbing besonders hoch im Kurs.

Wie sind derlei neue Phänomene bei all ihrer Komplexität einzuordnen und wie sollte sich insbesondere der erzieherische Jugendschutz damit auseinandersetzen und darauf reagieren? Was erweist sich als effektiver: strengere Gesetze oder der sachlich-unaufgeregte Diskurs auf Augenhöhe, um mit adäquaten Instrumenten und Möglichkeiten Jugendschutz zum Erfolg zu führen? 

Wir wollen ins Gespräch kommen. Den Input liefern uns die aktuelle Ergebnisse und Eindrücke der Jugendsozialforschung sowie der psychosozialen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen.

 


Referent Prof. Dr. Reiner Hanewinkel

Studium der Psychologie (Diplom, Promotion, Habilitation), Approbation als Psychologischer Psychotherapeut.

Seit 1990 geschäftsführender Gesellschafter des Instituts für Therapie- und Gesundheitsforschung, IFT-Nord gGmbH, in Kiel. Das Institut hat einen Schwerpunkt in der Entwicklung, Implementation und Evaluation von Maßnahmen zur Prävention und Gesundheitsförderung sowie der Erforschung von Einflussfaktoren riskanten Verhaltens im Kindes- und Jugendalter.

Außerplanmäßiger Professor für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie an der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (seit 2011). Leiter des Quer­schnittsbereichs 10 „Prävention und Gesundheitsförderung“ der Medizinischen Fakultät der Universität Kiel (seit 2005).

Über 250 Publikationen, davon über 150 in peer reviewten wissenschaftlichen Zeitschriften vorwiegend zu Themen der Prävention und Gesundheitsförderung (Stand: August 2019).

Forschungspreise und Auszeichnungen: Wilhelm-Feuerlein-Forschungspreis (2003), Deutscher Präventionspreis (2004), Forschungspreis „Rauchfrei Leben“ (2005), Fritz-Lickint-Medaille (2013), Forschungspreis des Norddeutschen Suchtforschungsverbundes (2015).

Verschiedene ehrenamtliche Tätigkeiten wie Mitglied des Wissenschaftlichen Kuratoriums der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V., Beisitzer der Bundesvereinigung für Prävention und Gesundheitsförderung sowie Mitbegründer und Beisitzer des Aktionsbündnis Nichtrauchen e.V.

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